Schutzmaßnahmen
Putze sind an den Außenkanten durch
Einlegen von Eckschutzleisten aus Kunststoff oder Metall gegen leichte mechanische
Belastung zu schützen, bei starken mechanischen Belastungen sind gesonderte
Schutzkonstruktionen vor der Fassade oder Eckschutzwinkel aufzubringen. Im Randbereich bei
Fugen oder am Ende der Putzfläche (Materialstoß) sind Abschlussprofile, gegebenenfalls
mit Dehnungsausgleich, als Fugengrund für dauerelastische oder plastische Verfugungen,
mit Tropfblechen etc. zu planen.
Herstellung
Die Herstellung unterscheidet sich
naturgemäß nach Putzweise, Mörtelart und Anwendungsort (innen, außen, Decke, Wand),
wobei jedoch folgende prinzipiellen Abläufe sich wiederholen.
a.)
Herstellen des Putzgrundes:
So nicht direkt die bereits vorhandene
Decke oder Wand der Putzgrund ist, sind Putzträger (z.B.. auf Stahl- oder Holzbauteilen)
aufzubringen und gut mechanisch zu befestigen, Putzträger müssen einen vollflächigen
Putzgrund ohne Löcher, Risse oder Fugen darstellen. Putzträger aus Dämmstoffen, die
mitgemauert oder mitbetoniert wurden, sind hinsichtlich ihrer Verankerung im Baugrund zu
überprüfen.
b.)
Vorbehandeln des Putzgrundes:
Schalöl und andere Verunreinigungen
sind zu entfernen, Schlitze und Löcher zu schließen und die Ränder gegebenenfalls zu
bandagieren (Rissbewehrung), grobe Unebenheiten sind abzuschlagen oder aufzufüllen.
Glatte Flächen werden aufgeraut, saugende Flächen werden genässt, sandende Flächen
werden gebunden. Dazu werden Voranstriche (Haftvermittler, Tiefengrund) oder Vorspritzer
verwendet.
c.)
Aufbringen des Putzsystems
c1.)
Dünnputzsysteme und Vollwärmeschutz, sind genau
von den jeweiligen Herstellern abgestimmte Systeme mit unterschiedlichem Aufbau, denen
aber gemeinsam ist, dass eine Grundschicht (Grobputz oder Spachtelung) ev. gemeinsam mit
einer vollflächigen Bewehrung (Glasgewebe, Glasseidengitter) aufgebracht wird, auf die
wiederum eine oberflächenbildende Deckschicht (Feinputz, meist durchgefärbt, Edelputz)
aufgebracht wird.
c2.)
mehrlagiger Putz
Vorspritzer, jeder mehrlagige Putz
kann für die Haftvermittlung und zur Beibehaltung des Wasser/Bindemittelgefüges mit
einem Vorspritz versehen werden, der Bestandteil des Putzsystems ist und hinsichtlich der
verwendeten Mörtelart natürlich auf das Putzsystem abzustimmen ist.
Grobputz, dient dem Erzielen einer
ebenen Fläche und der Gliederung des Putzes, darf pro Lage eine Dicke von 0,8 cm nicht
unterschreiten, eine Dicke von 4 cm nicht überschreiten, und ist bei Dicken darüber eher
zu meiden bzw. jedenfalls mehrlagig auszuführen. Grobputz kann auch durch geeignete
Zuschläge wärmedämmend ausgeführt werden. Zum Aufbringen des Grobputzes ist erst zu
fluchten (Einmessen und Einrichten eines Schnurrasters), anschließend werden Lehrköpfe
(Platten mit ca. 15cm DN) gesetzt, die wiederum zu Leisten ausgearbeitet werden, an denen
dann der angeworfene Grobputz abgezogen wird. An Kanten werden Richtlatten verwendet oder
Putzwinkel gesetzt. Putzformen werden mittels Schablonen gezogen. Zur Hintanhaltung von
Schwindrissen muss der Grobputz durch Abdecken bzw. Anfeuchten feucht gehalten werden.
Feinputz bildet die eigentliche
Oberfläche und kann erst nach dem Abbinden des Grobputzes aufgebracht werden. Die
Korngröße ist entsprechend der Schichtdicke (3-8mm) geringer als beim Grobputz, er wird
angeworfen oder aufgespritzt, abgezogen und verrieben oder geglättet.
c3.)
einlagiger Putz
Maschinenputz
Heutzutage im Innenbereich die
weitverbreitetste Herstellungsmethode, e4rfordert aber eine entsprechende
Baustelleneinrichtung. In Silos oder Mischanlagen wird eine werkseitige Mörtelmischung
gelagert bzw., angerührt und durch Pumpen über Schlauchleitungen zum Einbauort gebracht
und an die Wand oder Decke gespritzt, abgezogen und verrieben/geglättet. Auch hier werden
gegebenenfalls Voranstriche bzw. Vorspritzer verarbeitet, das Abziehen erfolgt an
Putzlehren aus Maschinenmörtel oder an Metall- oder Holzleisten. Einlagige Putze haben
typischerweise an der Wand Stärken von 1,5 cm (mind. 10mm) und an der Decke 10 mm (mind.
5mm), der Untergrund muss eine entsprechende Ebenheit aufweisen oder die Oberfläche wird
nicht eben sein können.
Dünnputze
(mind. 2mm, bis 5mm) werden wie
Feinputze aufgebracht und sind nur auf entsprechend ebenen Untergründen verwendbar
(Stahlbeton mit geeigneter Schalungsqualität),
Mörtelarten
Grundsätzlich sind bei den Mörteln
seitens der Planung nicht nur die Herstellungsart und die Putzweise, sowie die Mörtelart
anzugeben, sondern immer auch die entsprechenden Korngrößen, da sie unabdingbarer für
Mörtel und Putzweise sind.
Verwendete Werkstoffe sind Sande mit
mineralischen Bindemitteln (hydraulische oder Anhydritbinder: Zement, Gips, Kalk und
Mischsysteme dieser Bindemittel) oder mit Silikaten oder Kunstharzen als Bindemittel.
Gipsmörtel oder gipshältige Mörtel
Harte Oberfläche, rasches Abbinden und
aufgrund des Anhydritbinders kein Schwinden, daher keine Schwindrisse, nicht
feuchtigkeitsbeständig und im Außenbereich nicht, im Nassraumbereich nur bedingt zu
verwenden. Gips reagiert mit Eisen, Stahleinbauten sind also durch Schutzanstriche zu
schützen. Gipsmörtel weisen gute Eigenschaften zur maschinellen Verarbeitung auf
(zähplastisch, wenig Entmischung, Dauer des plastischen Zustandes durch Zusätze
steuerbar).
Reiner Gipsputzmörtel für
Stuckaturarbeiten oder reiner Glättputz, besteht aus Wasser, Gips und Beimengungen von
Weißkalk (Erhöhung der Geschmeidigkeit und Regulierung der Abbindezeit).
Gipssandputzmörtel, Verhältnis
Gips:Sand 1:1 bis 1:3, Weißkalk zur Erhöhung der Geschmeidigkeit und Regulierung der
Abbindezeit, als Innenputze, Deckenputze und Maschinenputze, vorwiegend Glättputz
Gipskalkputzmörtel, Gips:Kalk:Sand
1:1:3, im Innenbereich als Reib- oder Glättputz, schnelleres Abbinden als Kalkmörtel,
größere Geschmeidigkeit als Gipsmörtel
Kalkgipsputzmörtel, Kalk:Gips:Sand
typisch 2:1:4, meist Reibputz, langsameres Abbinden, höhere Geschmeidigkeit als
Gipskalkmörtel
Gips-Leichtputze und
Gips-Wärmedämmputze erhalten Zuschläge zur Verringerung des Gewichtes und der
Wärmeleitfähigkeit und stellen Sonderformen dar.
Luftkalkhaltige Mörtel
gegebenenfalls gemischt mit schwach
hydraulischen Kalken, für Innen- und bedingt Außenputze, einlagig oder zweilagig, gut
wasserdampfdurchlässig, Feuchtigkeitsspeicherung und abgabe ohne Festigkeitsverlust
hydraulisch gebundene Putze
Kalkmörtel mit hochhydraulischem Kalk,
Eigenschaften ähnlich luftkalkhaltiger Mörtel, für Innen- und Außenputze geeignet, da
stabiler gegenüber Feuchtigkeit
Kalkzementputz, ein- und zweilagig für
Innen- und Außenputze, Vereinigung der Geschmeidigkeit des Kalks mit den hydraulischen
Eigenschaften des Zements, dadurch höhere Festigkeit, aber spröder und
wasserundurchlässig (Obacht bei der Verwendung auf dauerfeuchten Bauteilen), Neigung zur
Schwindrissbildung, hauptsächliches Mischungsverhältnis Kalk:Zement:Sand 2:1:8-11
Zementkalkputz, ähnlich dem
Kalkzementputz, jedoch höherer Zementanteil, entsprechende Eigenschaften
Zementputz, für hohe mechanische
Anforderungen und zur Feuchtigkeitsabdichtung, Sand:Zement 3:1, eher im Innenbereich, da
aufgrund der Schwindrissbildung und Sprödigkeit im Außenbereich u.U. gefährlich, oder:
kleine Flächen, gut geplante Fugen, feucht halten während des Abbindens
Wärmedämmputze, Grobputze mit
Leichtzuschlägen (natürliche oder künstlich geblähte Materialien statt Sand),
hydraulische Bindemittel.
Silikatische Putzmörtel verwenden als
Bindemittel Kaliwasserglas mit geringen Anteilen an Dispersionsbindern, sie werden als
Dünnputze über einem Voranstrich mit verdünntem Bindemittel auf Beton oder einem
Grobputz aus mineralischen Mörteln aufgebracht, sind wasserabweisend aber diffusionsoffen
und leicht zu verarbeiten (Reib- und Streichputze)
Kunstharzputzmörtel, Bindemittel
Kunstharz, Zuschlagstoffe Sand und Farbpigmente, Schichtstärke 1,5 10 mm, auf
Beton oder Grobputz mit Voranstrich, auf Dämmstoffen mit Glasseidengitter als Bewehrung
(Reib- und Streichputz), die Kh.putze sind zähelastisch, Schlag- und kratzfest,
wasserabweisend, bedingt diffusionsoffen.
Sanierputze sind mineralische Putze mit
Hydrophobierungszusätzen, meist wärmedämmend (ofenporig hohe
Verdunstungsfläche), gelöste Salze bleiben im Gefüge (rasches Abbinden) und können
nicht an die Oberfläche (keine Ausblühungen), auf feuchten oder salzgefährdeten
Untergründen.
Brandschutzputze, sollte einer der o.a.
Putze nicht bereits eine ausreichende Verbesserung des Brandschutzes bewirken, können
Putz mit unter thermischer Belastung aufschäumenden Zuschlägen (z.B.. Vermiculite)
verwendet werden.
Edelputz
Sind fertige Putzmischungen, ev.
eingefärbt, die ohne weitere Behandlung als Oberputz (Feinputz) für den Außenbereich
geeignet sind
Putzweisen
Putzweisen sind die Verfahren, mit
denen der Putz aufgebracht und seine Oberfläche bestimmt wird. Im Innenraum finden sich
heute fast ausschließlich einlagige Maschinenputze, trotzdem sollen hier auch andere, vor
allem im Außenbereich und in der Sanierung wichtige Putzweisen behandelt werden. Die
Putzweise bestimmt außerdem die Haltbarkeit und die Verschmutzungsanfälligkeit des
Putzes, wobei generell gesagt werden kann, dass verriebene und geglättete Putze erhöhte
Rissanfälligkeit der Oberfläche zeigen (Bindemittel wird beim Herstellen vermehrt an die
Oberfläche gezogen und führt zu erhöhtem Schwinden), raue Putze neigen stark zum
Verschmutzen und bleiben oftmals an einzelnen Stellen lange feucht (Ausblühungen und
Frostgefahr).
Geglätteter Putz wird mit der Kelle
verrieben, ist gut geeignet für Anstriche, reißt jedoch leicht an der Oberfläche.
Reibputz wird gerieben (runde
Bewegung) oder gestoßen (gerichtete Bewegung), Kleinstkorn 2 mm, Rillen durch das
Verreiben der Großkörner.
Kellenputz, der frisch aufgetragene
Feinputz wird mit der Kelle verstrichen (modelliert), meist fächer- oder schuppenförmig.
Spritzputz wird mit Ratsche oder
Pistole in zwei Lagen über den verriebenen Feinputz aufgebracht.
Kratzputz wird durch Bearbeiten der
frischen Feinputzschicht mit einer Kratzbürste in unterschiedlichen Feinheitsgraden
erzeugt und nach dem Erhärten abgekehrt.
Waschputz, das Bindemittel wird vor
dem Erhärten oberflächlich ausgewaschen.
Steinputz, durch steinmetzmässige
Behandlung nach dem Aushärten (Stocken, Spitzen, u.dgl.)
Patschok, dünnflüssiger Mörtel wird
angeworfen und mit dem Pinsel oder der Bürste verrieben.
Schlämmputz, mit Bürste oder Spritze
aufgebracht, dünnflüssig, Struktur bleibt sichtbar.
Sgraffito, mehrlagige verschieden
gefärbte Putzschichten, in die durch Kratzen und Schaben Zeichnungen eingebracht werden,
wobei eben die unterliegenden Schichten zum Vorschein kommen.
Stucco Lustro, mehrschichtiger, insgesamt
maximal 5mm dicker Putz aus Marmorsanden und Kalk, ev. eingefärbt, nachträglich bemalt,
gebügelt und gewachst.
Fresco, Secco, Tempera sind auf den
nassen oder trockenen Grund aufgebrachte Beschichtungen bzw. Kunstwerke oder
kunsthandwerkliche Produkte, die eine bestimmten, auf die Bemalung abzustimmenden Putz
benötigen, hier ist immer mit dem Auftragnehmer der Beschichtung eine Abstimmung
durchzuführen.
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